Ausschreibung Borgward Group AG Kein Briefing, kein Budget, aber in drei Tagen ein Grobkonzept! Der Witz der Woche

Manche Ausschreibungen muss man wirklich zweimal lesen, weil es eigentlich kaum zu glauben ist: Die Borgward Group AG, ein” Automobilkonzern” mit Sitz in Stuttgart, sucht eine Kommunikationsagentur. Der Autobauer möchte die Marke Borgward „nachhaltig im Markt etablieren, und dafür soll eine nachhaltige und langfristige Strategie hinsichtlich Markenbildung, Steigerung der Bekanntheit und Positionierung entwickelt werden“. Soweit so gut.

Das „Briefing“ besteht aus einem kurzen Anschreiben der Assistentin des Head of Product Communications und einem angehängten Dokument mit ganzen zehn Zeilen, in dem die Zusatzinformation enthalten ist, dass der Markteintritt in Deutschland und Europa Ende 2017 geplant sei. Bei der Kommunikationsstrategie solle die Geschichte des Unternehmens, die neuen Produkte sowie insbesondere die deutsche DNA von Borgward herausgestellt werden. Das einzureichende Konzept der Agentur soll zudem „klassische wie elektronische Medien beinhalten wie auch virale Maßnahmen, Events und Veranstaltungen“. Aha, Events UND Veranstaltungen also auch?

Mal abgesehen von der Qualität des „Briefings“, erfüllt die Deadline zur Einreichung des Grobkonzeptes alle Kriterien zum Witz der Woche: das Grobkonzept soll die Agentur doch bitte bis Montag den 20.06.16 – also ganze 3 Werktage später – liefern!

Wir fassen also zusammen: Briefing? Fehlanzeige. Deadline? Witzig. Budget? Wurde leider komplett vergessen.  Glaubt die Borgward Group AG ernsthaft, so ihre deutsche DNA reaktivieren zu können? Pitchblog meint: No go! Wer eine Marke etablieren möchte, sollte sich schon etwas mehr Zeit für´s Briefing und die Auswahl der Agentur nehmen.

Hermes Fulfilment GmbH – Kein Grund zum Feiern!

Für eine im Juni 2016 stattfindende Feier zur Einweihung eines neuen Logistikzentrums suchte die Hermes Fulfilment GmbH – ein Unternehmen der Hermes Gruppe – eine kompetente Eventagentur, die diese Feier plant, steuert, effizient umsetzt und dabei mit Ressourcen schonend umgeht.

Das von den ausgewählten Agenturen im Rahmen der Ausschreibung einzureichende Angebot sollte aus zwei Teilen bestehen: Einem Konzept, das sowohl ein vorgegebenes als auch ein frei wählbares Motto enthalten sollte. Außerdem sollte eine Erlös- und Kostenkalkulation beigefügt werden. Das Angebot, dessen Abgabe für die Hermes Fulfilment GmbH kostenlos und unverbindlich erfolgte, sollte das Konzept klar vermitteln und die Konzeptdarstellungen waren in Leistungsumfang und -niveau (Kosten, Qualifikation und Anzahl des Personals, Angebot und Qualität der Speisen, Dekoration etc.) aufzuschlüsseln.

Soweit zu den Rahmenbedingungen. Bedauerlich, dass für die Ausschreibung kein Pitchhonorar vorgesehen war. Umso kritischer allerdings die Angebotsfrist: Die Veröffentlichung der Ausschreibungsunterlagen an ausgewählte Bieter erfolgte am 1. März 2016 und die Angebotsabgabefrist war bereits auf den 9. März 2016 datiert. Da stellt sich schon die Frage, inwiefern überhaupt ein offener Pitch erwünscht war? Hieran ändert auch der Umstand nichts, dass die Abgabefrist, mit Bekanntgabe am 7. März 2016, bis zum 11. März 2016 verlängert wurde. Auch auf Nachfrage konnte im Übrigen keine Budgethöhe genannt werden. Vielmehr heißt es in den Ausschreibungsunterlagen, dass sich die Größe der Veranstaltung streng nach den Budgetvorgaben richten wird, so dass Staffelpreise für sechs verschiedene Gästeanzahlen – für zwischen 1.000 bis 2.500 Gäste – eingereicht werden sollten. Diese Staffelung und Budgetvorenthaltung verwundert, wenn man sich vor Augen führt, dass nach der Angebotsabgabe sodann mitgeteilt wurde, dass das Budget EUR 90.000,00 für eine Anzahl von 2.000 Personen beträgt.

Interessant sind auch die Entscheidungskriterien. So heißt es zwar zunächst in den Ausschreibungsunterlagen, dass bei der Entscheidung neben wirtschaftlichen Kriterien die Aspekte Preis, Organisationstalent, Erfahrung des Anbieters, ausreichend positive Kundenreferenzen, Personalkonzept sowie Einstellung zu Umweltschutz und gesellschaftlicher Verantwortung im Vordergrund stehen. Relativiert wird dies jedoch, wenn ferner angeführt wird, dass man sich vorbehält, die Entscheidungskriterien im Ausschreibungsverlauf anzupassen. Die Gewichtung der Kriterien wird den Teilnehmern gegenüber allerdings nicht veröffentlicht!

So verwundert es auch nicht, dass preisliche Differenzen zu anderen Teilnehmern am Ende als Grund für den Nichtzuschlag angeführt wurden. Eine ausgewogene und transparente Entscheidung sieht anders aus. Pitchblog meint: Kein Grund zum Feiern!

Christlich-Soziale Union (CSU): Gestaltung der Wahlkampfwerbelinie – Jetzt aber gschwind!

Die Christlich-Soziale Union (CSU) begibt sich auf die Suche nach einer geeigneten Agentur zur Gestaltung ihrer Wahlkampfwerbelinie für die ausstehenden Wahlen, namentlich die Bundestagswahl 2017, die Landtagswahl 2018, die Europawahl 2019 und schließlich die Kommunalwahl 2020. Der Aufruf erfolgt durch eine unscheinbare, kurz und knackig gehaltene Email des stellvertretenden Leiters Marketing und Veranstaltungen der CSU und datiert vom 18.04.2016.

Gegenstand des Agenturauftrages soll die „Gestaltung des gesamten Corporate Designs für den Wahlkampf inkl. Claim“ werden. Das ist spannend und eigentlich will doch jeder dabei sein.

Natürlich sollte es auch hier nicht ohne eine regelgerechte Auswahlentscheidung, sprich einen soliden Pitch gehen. Alles andere wäre ja nicht anständig.

Der Zeitplan wirkt ehrgeizig und gibt bereits erste Fragen auf. So heißt es:

April:              Kennenlerntreffen

Anfang Mai:    Auswahl der Agenturen für den Pitch

Mitte Mai:        Detailliertes Briefing

Ende Mai:       Schulterblick (optional)

Anfang Juni:   Pitch

Mitte Juni:       Entscheidung

Unklar ist bereits, nach welchen konkreten Kriterien Anfang Mai die „Auswahl der Agenturen für den Pitch“ erfolgt. Denn ein detailliertes Briefing für den eigentlichen, erst im Juni stattfindenden Pitch gibt es ja erst im Anschluss Mitte Mai. In eben diesem Briefing wird dann voraussichtlich auch erst erläutert werden, was ein „Schulterblick“ konkret bedeutet und nach welchen Kriterien die im weiteren Verlauf den Zuschlag erhaltende Agentur ausgewählt wird.

Was der geneigte vorausgewählte Empfänger dieser Email vom 18.04.2016 erfährt, ist immerhin, dass im Rahmen des Pitches eine Präsentation einzureichen ist, deren notwendige Bestandteile umfassen müssen „Gestaltung und Präsentation des Projektes ‚Wahlkampfwerbelinie‘“, „Zuordnung Bundestagswahl 2017/Landtagswahl 2018/Europawahl 2019/Kommunalwahl 2020“, „Entwicklung Claim, Logo und Störer“ und schließlich „Deklinierung der Kommunikations- und Werbemittel für den Wahlkampf in den CSU-Verbänden“. Erklärtes Ziel soll sein: „Am Ende liegt der CSU eine ausgearbeitete Wahlkampf-Werbelinie inkl. Adaption auf die zukünftigen Wahlen mit Deklination aller weiteren Werbemittel vor.“

Und jetzt der Dämpfer: Bis zum 22.04.2016, also bis zum vierten Tag nach Erhalt der auf den Pitch hinweisenden E-Mail sollen Agenturen bereits schriftlich mitteilen, ob sie an einer Präsentation bei der CSU in München interessiert sind und zu diesem Zweck nicht nur Unterlagen zur Agentur, sondern – und jetzt kommt‘s – auch eine erste kurze Skizzierung ihrer Präsentation vorlegen.

Pitchblog meint: Eine solche 4-Tages-Frist verbunden mit der Anforderung, ein komplexes Thema jedenfalls im Ansatz konzeptionell zu durchdenken und auf dieser Grundlage eine Präsentationsskizze zu entwerfen, legt nahe, dass die CSU hier entweder ihre Timeline verpennt hat oder aber nicht im geringsten an einem offenen Pitch unter Teilnahme bislang nicht beauftragter Agenturen interessiert ist. Fazit: Keine Zeit für Nachdenken, Konzeption, Kreativität und neue Ideen – jedenfalls soweit es den CSU-Wahlkampf betrifft. Schade, eigentlich.

 

Deutsche Klassenlotterie Berlin: Mieses Gewinnspiel!

Die Deutsche Klassenlotterie Berlin sucht im Wege einer beschränkten Ausschreibung nach Öffentlichem Teilnahmewettbewerb (Eingang der Teilnahmeanträge: 03.03.2016) eine Agentur für Kreativleistungen für den Deutschen LOTTO- und TOTO-Block. Ziel der Ausschreibung ist der Abschluss eines Agenturvertrages mit Laufzeit vom 01.06.2016 – 31.05.2017. Ablauf der Zuschlags- und Bindefrist ist der 15.04.2016

Schon das Auswahlprozedere wirkt kompliziert. So sollen aus den teilnehmenden Agenturen zunächst in einer Vorauswahl vier Agenturen ausgewählt werden, die sodann an einem gesonderten, nachgeschalteten beschränkten Vergabeverfahren teilnehmen. Die Entscheidung, welche vier Agenturen an dem beschränkten Vergabeverfahren teilnehmen, fällt die Deutsche Klassenlotterie Berlin auf Grundlage der eingereichten Bewerbungsunterlagen, die gemäß den Ausschreibungsbedingungen unter anderem „mindestens ein Konzept, maximal zwei Konzepte“ zu neun angeführten Themenbereichen enthalten müssen. Hier stellt sich bereits die Frage nach dem Sinn der Anforderung, „mindestens ein Konzept“ je Themenbereich vorlegen zu müssen. Denn weniger als ein Konzept lässt sich schwerlich einreichen. Im Ergebnis folgt aus der Anforderung, dass zwischen 9 und 18 Konzepte einzureichen sind. Klar, dass Agenturen sich hier veranlasst sehen müssen 18(!) Konzepte einzureichen, um überhaupt eine Chance zu haben. Aber haben sie die tatsächlich?

Auf Grundlage eines alles andere als plausiblen Punktesystems werden ohne inhaltliche Bewertung allein auf Grundlage der Anzahl der eingereichten Konzepte sowie der Tatsache, ob diese schriftlich („dokumentiert“) oder nicht schriftlich (wie auch immer das gehen soll) eingereicht werden, zwischen null und vier Punkten pro Themenbereich vergeben. Geht man davon aus, dass höchstwahrscheinlich alle Teilnehmer 18 Konzepte erstellen und diese natürlich schriftlich einreichen, erhält jeder Teilnehmer 36 Punkte (Volle Punktzahl 4 x 9 Themenbereiche). Um sodann überhaupt eine Auswahl treffen zu können, wird auf eine völlig intransparente 20 Prozent Bewertung zurückgegriffen, die nämlich zusätzlich für „besonders kreative und innovative Maßnahmen“ vergeben werden können. Die aus diesem „Auswahlverfahren“ herausgehenden vier „Sieger“ erhalten nicht etwa den Zuschlag, sondern dürfen an dem anschließenden beschränkten Vergabeverfahren teilnehmen. Zwischenergebnis: Alle übrigen Agenturen, die jeweils bis zu 18 Konzepte eingereicht haben, gehen nach einem fragwürdigen Auswahlverfahren leer aus.

Aber das ist noch nicht alles. Wie es für die vier auserwählten Agenturen weitergeht, verraten die Ausschreibungsunterlagen nicht. Keine Silbe zu weiteren Auswahlkriterien, wonach der „Sieger“ der Ausschreibung bestimmt wird.

Pitchblog meint: Unverhältnismäßig, intransparent, kreativfeindlich. Dann doch lieber Lotto spielen. Da weiß man gleich, dass die Chancen auf einen Gewinn gering sind.

Deutscher Marketing Verband e.V. (DMV) – Schlechtes Marketing in eigener Sache

Der Deutsche Marketing Verband e.V. (DMV) ist der Berufsverband des Marketing-Managements und die Dachorganisation von 65 regionalen Marketing-Clubs in Deutschland und Österreich, in denen wiederum insgesamt über 14.000 Mitglieder organisiert sind. Zur Unterstützung der internen und externen Kommunikationsabteilungen sucht der DMV eine externe Kreativagentur. Im Rahmen einer offenen Ausschreibung (Angebotsschluss 11.02.2016) vergibt der DMV einen diesbezüglichen zunächst zweijährigen Kooperationsvertrag, der anschließend verlängert werden kann. Im Rahmen dieser Kooperation sollen, unter anderem, auf Basis des im Jahr 2014 entwickelten und eingeführten neuen Corporate Designs Kampagnen des DMV zur Steigerung seiner Bekanntheit konzipiert und realisiert werden. Ferner zählt auch die Stärkung der emotionalen Markenwahrnehmung zu den Aufgaben der Kreativagentur. Über den Abschluss des Kooperationsvertrages entscheidet ein Gremium mit Vertretern aus dem DMV-Vorstand und dem DMV-Beirat.

Soweit so gut. Bei genauerer Betrachtung der Ausschreibungsbedingungen ergeben sich jedoch Fragen. So sind mit der Angebotsabgabe unter anderem zwei Arbeitsproben einzureichen, die in der Endbewertung mit jeweils 15 Prozent gewichtet werden. Bei der ersten Arbeitsprobe handelt es sich um den Entwurf einer Imageanzeige für den DMV im Format DIN A4. Es ist hierbei gewünscht, dass sich die Agentur mit dem Verband selbst, seiner Struktur, den Clubs, deren Mitgliedsformen und Leistungsangebot auseinandersetzt und daraus ein Konzept für die Kernaussage der Anzeige erarbeitet. Die zweite Arbeitsprobe umfasst den Entwurf eines 6-seitigen Flyers mit den Mehrwerten für die Mitglieder. Aus diesem Flyer muss sich entnehmen lassen, dass sich eine Mitgliedschaft rechnet bzw. lohnt. Es wird diesbezüglich erwartet, dass sich die Agenturen mit den Vorteilen der Mitgliedschaft auseinandersetzen und diese Vorteile strukturieren sowie visualisieren. Der Entwurf der beiden Arbeitsproben erfordert folglich eine nicht unerhebliche Einarbeitung in die Materie. Berücksichtigt man diesen Umstand und die Tatsache, dass die Erstellung der einzureichenden Arbeitsproben durchaus zeitintensiv ist, bleibt zu beanstanden, dass den teilnehmenden Agenturen kein Pitchhonorar gezahlt wird, mit Ausnahme der Gewinneragentur, die eine Aufwandsentschädigung in Höhe von EUR 500,00 zuzüglich Mehrwertsteuer erhält. „The winner takes it all“!

Gemäß den Ausschreibungsbedingungen fließen in die Bewertungskriterien auch Nachweise der fachlichen und technischen Leistungsfähigkeit der jeweiligen Agentur ein. Hierzu sollen unter anderem auch Angaben zur räumlichen Nähe des Agenturstandorts zur Geschäftsstelle des DMV in Düsseldorf gemacht werden. Berücksichtigt man in diesem Zusammenhang zudem den diesbezüglichen Hinweis in den Ausschreibungsbedingungen, dass Reisekosten nicht erstattet werden, stellt sich durchaus die Frage, ob hier tatsächlich eine reelle Chancengleichheit für teilnehmende Agenturen besteht, deren Standort nicht Düsseldorf ist. Soll hier etwa der Auftrag in Düsseldorf bleiben?

Das mit 30 Prozent am stärksten gewichtete Bewertungskriterium ist der Preis bzw. das wirtschaftlichste Angebot. Diesbezüglich sollen nicht nur die regulären Stundensätze der jeweiligen Agentur angegeben werden, sondern – um dieser Ausschreibung noch die Krone aufzusetzen – bittet der DMV um Angabe eines für den Kooperationsvertrag zugrunde zu legenden reduzierten Stundensatzes.

Faire Ausschreibungsbedingungen sehen anders aus. Pitchblog meint: Schlechtes Marketing in eigener Sache.

 

Kreative Ideen gesucht, aber bitte für lau! Zeitstrafe gegen EHF Marketing GmbH

Bereits seit dem Jahr 2010 organisiert die EHF Marketing GmbH, Marketingtochter der Europäischen Handballförderung (EHF), das VELUX EHF Final4 in der Kölner LANXESS Arena. Die vier besten Vereinsmannschaften im europäischen Klubhandball spielen dort um den Titel der VELUX EHF Champions League. Neben dem sportlichen Event bilden die vier Opening-Shows sowie die große Winner’s Ceremony für die Handballfans ein Highlight dieser Veranstaltung.

Die EHF Marketing GmbH plant in diesem Jahr einige grundlegende Neuerungen des Entertainment-Programms und hat hierzu 3-5 Agenturen für einen Pitch angefragt. Gewünscht ist ein kreatives Kurzkonzept auf englisch mit Ideen zur technischen und künstlerischen Gestaltung der Opening-Shows mitsamt der Winner’s Ceremony. Die eingereichten Ideen dürfen dabei völlig losgelöst von den bisherigen Konzeptionsansätzen sein – zudem ist das Engagement eines europaweit bekannten Künstlers geplant. Budgetumfang: EUR500.000,00exklusive Künstlergage.

Der EHF Marketing GmbH geht es im ersten Schritt angeblich nicht um ein detailliertes Konzept, es sollen vielmehr kreative Ideen entwickelt und so ein Eindruck von der Agentur vermittelt werden. Für die Konzeption wird kein Pitch- bzw. Konzeptionshonorar gezahlt. Interessanter Ansatz, um mal eben für lau im Pitchverfahren eine Auswahl an kreativen Ideen zu sammeln. Wenn diese von den Pitchteilnehmern abgeliefert sind, ist allerdings eine Vergabe des Budgets in Höhe von EUR 500.000,00 nicht garantiert. Fairness sieht da doch etwas anders aus, gerade in diesem Fall gilt: Die Ausarbeitung und Präsentation kreativer Ideen ist wesentlicher und zu vergütender Bestandteil einer Agenturleistung. Unser Urteil fällt daher eindeutig aus: Wie im Handball bei Fouls üblich – Zeitstrafe gegen die EHF Marketing GmbH!

 

US-Amerikanische Botschaft – It’s discount time oder wie man die eigenen Vergabekriterien ignoriert

Die US-Amerikanische Botschaft Berlin vergab den Auftrag über Social Media Support Dienstleistungen für das Public Affairs Büro. Die Botschaft hat mit Social Media Aktivitäten bereits vor einigen Jahren begonnen und plant nun, den Dialog mit der deutschen Öffentlichkeit zu intensivieren. Gesucht wurde daher eine Agentur, die eine Social Media Strategie entwickelt und umsetzt.

Der Auftrag ist von ordentlichem Umfang. So sind unter anderem quartalsweise Social Media Kampagnen für fünf verschiedene Themenbereiche zu entwickeln. Neben Social Media Beiträgen (Texte, Bilder, Videos) erwartet der Kunde eine monatliche Erfolgsanalyse und die Überwachung von externen Blogs und Social Media Plattformen – allein für Letzteres ist ein Aufwand von zehn Stunden wöchentlich angesetzt. Jedes Angebot sollte zudem eine detaillierte Preisübersicht für die verschiedenen Projekte enthalten.

Die US-Amerikanische Botschaft Berlin hat nach eigenen Angaben acht gültige Angebote erhalten. Wie es in der schriftlichen Entscheidung an eine der teilnehmenden Agenturen heißt, wurde der Auftrag, „aufgrund des günstigeren Preises“ an die Gewinneragentur vergeben. Eine weitere Begründung erfolgte nicht. Merkwürdig, da war dochin den Vergabekriterien der Ausschreibung auch noch von anderen Parametern die Rede…

Gemäß Abschnitt 4 der Ausschreibungsunterlagen erhält der günstigste, geeignetste und kompetenteste/zuverlässigste Bewerber den Zuschlag („Award will be made to the lowest priced, acceptable, responsible offeror“).

Folglich sollten für die Vergabe des Auftrags neben dem Preis sowohl die Eignung als auch die Kompetenz des Bewerbers eine gleichwertige Rolle spielen. Scheint so, als hätte sich die US-Amerikanische Botschaft nicht an die selbst aufgestellten Vergabekriterien gehalten? Kompetenz und Eignung? Fehlanzeige. We’ll go for the discount! Also auch in diesem Fall gilt – wie so oft – das Prinzip: Hohe Anforderungen in der Ausschreibung formulieren, um Anbieter zur Teilnahme zu motivieren und dann entscheidet eben doch nur der Preis. Aus Sicht der teilnehmenden Agenturen ein no go! Bei korrekter Vergabeankündigung über den günstigsten Preis hätten sicherlich einige Anbieter auf eine Teilnahme an der Ausschreibung verzichtet. Da liegt die Vermutung nahe, dass man genau dies mit einer derartigen Vergabepraxis vermeiden wollte.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin – Eine überholte Ausschreibung?!

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vergab im Wege eines offenen Verfahrens (Angebotsschluss am 17.09.2015) die Dienstleistungen Konzeption, Beratung, Realisierung, Hosting und Providing sowie technische und redaktionelle Betreuung ihres Internetangebotes, insbesondere in Bezug auf die zentrale Plattform www.baua.de, aber auch bezüglich Satellitenseiten sowie perspektivisch / optional Social Media-Kanäle und Apps.

Unter Berücksichtigung des Corporate Designs der BAuA sollen insbesondere das Gestaltungs- und Kommunikationskonzept sowie weitere Teilkonzepte entwickelt und umgesetzt werden. Dazu soll zu Leistungsbeginn die Internetseite www.baua.de (inklusive der englischen Sprachversion) vom Auftragnehmer auf ein neues Content Management System (CMS) migriert werden (derzeit GSB7 PreRelease). Als künftiges CMS wird der „Government Site Builder“ GSB7 präferiert. Der „Government Site Builder“ (GSB) ist im Rah­men der E-Go­ver­n­ment In­itia­ti­ve Bun­dOn­li­ne 2005 als Ba­sis­kom­po­nen­te-CMS für die We­b­auf­trit­te der Bun­des­ver­wal­tung ent­wi­ckelt wor­den. Ziel war es, ei­nen mo­du­la­ren Bau­kas­ten für die schnel­le und un­kom­pli­zier­te Er­stel­lung von In­ter­ne­t­auf­trit­ten zen­tral zu ent­wi­ckeln, um auf­wän­di­ge Ei­gen­ent­wick­lun­gen zu ver­mei­den, aber gleich­zei­tig in­di­vi­du­el­le An­pas­sun­gen je­der­zeit zu er­mög­li­chen. Der Bieter kann aber auch ein alternatives CMS vorschlagen, dass den Anforderungen der Ausschreibung entspricht.

Soweit so gut. Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Ausschreibung ergeben sich jedoch, wenn man sich mit einer Vorabinformation des Beschaffungsamts des Bundesministeriums des Innern vom 24.02.2015 näher beschäftigt. Daraus ergibt sich, dass die Weiterentwicklung des GSB auf Basis CoreMedia Software durch die Weiterentwicklung des GSB auf Open Source Basis abgelöst werden soll. Die diesbezügliche Ausschreibung des Bundesverwaltungsamts soll noch im Jahr 2015 veröffentlicht werden. Anschlussausschreibungen für Aktivitäten zum GSB auf Basis CoreMedia Software sind nach aktuellem Stand nicht geplant, heißt es weiter in der vorgenannten Vorabinformation.

Es wird also einerseits im Laufe dieses Jahres durch das Bundesverwaltungsamt im Rahmen ihrer vorbezeichneten Ausschreibung bekannt gegeben werden, dass der GSB auf Basis CoreMedia Software ausläuft bzw. nicht weiterentwickelt werden wird und andererseits veröffentlicht die BAuA aktuell eine Ausschreibung mit eindeutiger Präferenz auf diesen GSB. Da es sich hierbei um ein System handelt, das abgeschafft werden wird und auf das andere Einrichtungen längst nicht mehr setzen, muss sich die BAuA die Frage stellen lassen, ob ihre Ausschreibung aktuell überhaupt noch Sinn macht und folglich im Interesse des Steuerzahlers sein kann.