India Tourism Frankfurt: Zum Ersten, Zweiten, zum Dritten…

India Tourism Frankfurt, ein für die Vermarktung des Landes Indien zuständiges Büro des indischen Tourismusministeriums, rief am 28. August 2014 deutsche Agenturen mit starkem Hintergrund in Public Relations und Event Management sowie Erfahrung in der Zusammenarbeit mit nationalen Tourismus-Organisationen dazu auf, an seiner Ausschreibung teilzunehmen. Inhalt des zu erteilenden Auftrags ist die Koordination der PR während der Teilnahme an Reisemessen für Verbraucher in Deutschland und Österreich sowie an den Fachmessen ITB und IMEX im Zeitraum von Oktober 2014 bis Mai 2015. Außerdem soll die künftige Agentur die Social Media Präsenz von India Tourism auf Facebook und Twitter in den deutschsprachigen Ländern gestalten. Einzelheiten hierzu sind in der Ausschreibung ausführlich erläutert.

Auffällig an dieser Ausschreibung ist ihr Auktionscharakter: So ist entscheidendes Kriterium für den Zuschlag nicht etwa die Kreativleistung der Bewerber, die anhand eines vorgeschlagenen Kreativkonzeptes im Rahmen des Pitches skizziert wird, sondern die Bewertung sogenannter „technical bids“ und „financial bids“, also seitens der Agenturen abzugebender Gebote. In der technischen Bewertung können maximal 70 sogenannter „Marks“, gemeint sind wohl Punkte, für PR-Erfahrung im Bereich nationaler Tourismus, Erfahrung in der Erstellung von Social Media Kampagnen für Kunden aus dem Tourismusbereich, spezifische PR-Erfahrung in Bezug auf MICE-Veranstaltungen sowie die ITB erlangt werden. Wer 49 oder mehr „Marks“ erlangt, gelangt in die nächste Auktionsrunde, in der die sogenannten „financial bids“ bewertet werden, was den Auktionscharakter der Ausschreibung noch unterstreicht. Das finanzielle Gebot geht mit 30% in die Gesamtbewertung ein und soll einen detaillierten Kostenvoranschlag bezüglich künftiger PR- und Social-Media-Aktivitäten enthalten.

Diese Form der Entscheidungsfindung überzeugt nicht. So sind im Rahmen der „technical bids“ keinerlei konkrete Kreativkonzepte einzureichen, auf deren Grundlage maßgeblich die Zuschlagsentscheidung getroffen wird. Vielmehr wird lediglich, wie bei der zuletzt thematisierten Ausschreibung der BIG (siehe Blog-Beitrag vom 28.08.2014), maßgeblich auf Vorerfahrungen in einem bestimmten Bereich, hier in der Tourismusbranche, abgestellt. Dies verwundert insofern, als dass der Aufgabenbereich der Ausschreibung nicht zwingend Erfahrungen im Tourismusbereich erfordert. Vielmehr stehen hier neben der Vermarktung Indiens, beispielsweise durch Social Media, organisatorische und koordinatorische Aspekte im Vordergrund, die zum Basis-Know-How jeder PR-Agentur gehören.

Da keinerlei Konzeptvorschläge eingereicht werden sollen und die Anforderungen an die Agenturen lediglich allgemein beschrieben werden, fehlt eine Kalkulationsgrundlage für die Abgabe des finanziellen Gebotes. Im Ergebnis entscheiden damit allein Vorerfahrungen, die als Qualifikationskriterium irrelevant sind, sowie der günstigste Preis, der ohne Kenntnis der konkreten Maßnahmen schwerlich zu kalkulieren ist.

Fazit: Eine Auktion eignet sich nicht zur Auswahl der für die eigenen Zwecke kreativsten und wirtschaftlichsten Agentur. Für Agenturen ist die Teilnahme an einer solchen Ausschreibung unattraktiv, da sie nicht durch Kreativkompetenz überzeugen können.