Deutscher Marketing Verband e.V. (DMV) – Schlechtes Marketing in eigener Sache

Der Deutsche Marketing Verband e.V. (DMV) ist der Berufsverband des Marketing-Managements und die Dachorganisation von 65 regionalen Marketing-Clubs in Deutschland und Österreich, in denen wiederum insgesamt über 14.000 Mitglieder organisiert sind. Zur Unterstützung der internen und externen Kommunikationsabteilungen sucht der DMV eine externe Kreativagentur. Im Rahmen einer offenen Ausschreibung (Angebotsschluss 11.02.2016) vergibt der DMV einen diesbezüglichen zunächst zweijährigen Kooperationsvertrag, der anschließend verlängert werden kann. Im Rahmen dieser Kooperation sollen, unter anderem, auf Basis des im Jahr 2014 entwickelten und eingeführten neuen Corporate Designs Kampagnen des DMV zur Steigerung seiner Bekanntheit konzipiert und realisiert werden. Ferner zählt auch die Stärkung der emotionalen Markenwahrnehmung zu den Aufgaben der Kreativagentur. Über den Abschluss des Kooperationsvertrages entscheidet ein Gremium mit Vertretern aus dem DMV-Vorstand und dem DMV-Beirat.

Soweit so gut. Bei genauerer Betrachtung der Ausschreibungsbedingungen ergeben sich jedoch Fragen. So sind mit der Angebotsabgabe unter anderem zwei Arbeitsproben einzureichen, die in der Endbewertung mit jeweils 15 Prozent gewichtet werden. Bei der ersten Arbeitsprobe handelt es sich um den Entwurf einer Imageanzeige für den DMV im Format DIN A4. Es ist hierbei gewünscht, dass sich die Agentur mit dem Verband selbst, seiner Struktur, den Clubs, deren Mitgliedsformen und Leistungsangebot auseinandersetzt und daraus ein Konzept für die Kernaussage der Anzeige erarbeitet. Die zweite Arbeitsprobe umfasst den Entwurf eines 6-seitigen Flyers mit den Mehrwerten für die Mitglieder. Aus diesem Flyer muss sich entnehmen lassen, dass sich eine Mitgliedschaft rechnet bzw. lohnt. Es wird diesbezüglich erwartet, dass sich die Agenturen mit den Vorteilen der Mitgliedschaft auseinandersetzen und diese Vorteile strukturieren sowie visualisieren. Der Entwurf der beiden Arbeitsproben erfordert folglich eine nicht unerhebliche Einarbeitung in die Materie. Berücksichtigt man diesen Umstand und die Tatsache, dass die Erstellung der einzureichenden Arbeitsproben durchaus zeitintensiv ist, bleibt zu beanstanden, dass den teilnehmenden Agenturen kein Pitchhonorar gezahlt wird, mit Ausnahme der Gewinneragentur, die eine Aufwandsentschädigung in Höhe von EUR 500,00 zuzüglich Mehrwertsteuer erhält. „The winner takes it all“!

Gemäß den Ausschreibungsbedingungen fließen in die Bewertungskriterien auch Nachweise der fachlichen und technischen Leistungsfähigkeit der jeweiligen Agentur ein. Hierzu sollen unter anderem auch Angaben zur räumlichen Nähe des Agenturstandorts zur Geschäftsstelle des DMV in Düsseldorf gemacht werden. Berücksichtigt man in diesem Zusammenhang zudem den diesbezüglichen Hinweis in den Ausschreibungsbedingungen, dass Reisekosten nicht erstattet werden, stellt sich durchaus die Frage, ob hier tatsächlich eine reelle Chancengleichheit für teilnehmende Agenturen besteht, deren Standort nicht Düsseldorf ist. Soll hier etwa der Auftrag in Düsseldorf bleiben?

Das mit 30 Prozent am stärksten gewichtete Bewertungskriterium ist der Preis bzw. das wirtschaftlichste Angebot. Diesbezüglich sollen nicht nur die regulären Stundensätze der jeweiligen Agentur angegeben werden, sondern – um dieser Ausschreibung noch die Krone aufzusetzen – bittet der DMV um Angabe eines für den Kooperationsvertrag zugrunde zu legenden reduzierten Stundensatzes.

Faire Ausschreibungsbedingungen sehen anders aus. Pitchblog meint: Schlechtes Marketing in eigener Sache.