Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) – Im Eifer des Gefechts…

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) plant aktuell eine Kampagne zur Sensibilisierung „nachhaltiger Textilien / Textilbündnis“, die Menschen zum Nachdenken anregen soll, „wo ihre Kleidung herkommt, welches Gesicht hinter dem Kleidungstück steht und wie Alternativen aussehen“. Das Kernanliegen des BMZ ist dabei die Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen in der globalen textilen Lieferkette.

Teilnehmer an der Ausschreibung müssen Informationen zur Herangehensweise an die Gesamtkampagne, eine grobe Kampagnenidee und Skizze eines Kampagnenleitfadens sowie einen aufgeschlüsselten Kostenvoranschlag, aus dem sich die unterschiedlichen Kostenpositionen eindeutig und detailliert nachvollziehen lassen, einreichen. Hierbei handelt es sich zunächst nicht um ungewöhnliche Teilnahmebedingungen.

Auffällig sind die sehr knappe Angebotsfrist sowie die ebenfalls unangemessen kurze Umsetzungsfrist. So wurden Agenturen erst am 30.12.2014 angeschrieben und zur Teilnahme an der Ausschreibung eingeladen, sollten jedoch zunächst bereits bis zum 09.01.2015 ihre Angebote einreichen, sodass ihnen de facto, unter Berücksichtigung des dazwischen liegenden Feiertages sowie des Wochenendes, ein Zeitraum von lediglich sechs Werktagen (unter Einbeziehung des 31.12.2014) zur Angebotserstellung blieb. Bei einem am 09.01.2014 erteilten Zuschlag sollte sodann eine vollständige Leistungserbringung bereits bis spätestens zum 31.01.2015 erfolgen. Innerhalb dieser kurzen Zeit sollen persönliche und emotionale Bilder sowie kreative und provokative Slogans erstellt sowie als wiederkehrender Identifikationspunkt der Kampagne ein Gesicht und/oder eine Figur ausgearbeitet werden. Auch ein Kampagnenslogan mit Abbindern, die grafische und textliche Umsetzung von möglichen Maßnahmen wie einer Postkarten-Kampagne, einer Veranstaltung zur Verbreitung des Themas „Nachhaltige/Faire Textilien“, einer Erneuerung der Unterseite „Textil“ auf www.bmz.de sowie der Gewinnung von Testimonials gehören zum umfassenden Leistungsumfang. Weiter fällt auf, dass nach Sichtung sämtlicher Angebote eine abschließende Auswahlentscheidung und der Zuschlag bereits am 09.012015 selbst, also dem Tag des Ausschreibungsendes erteilt werden sollte. Diese unangemessen kurzen Fristen geben Anlass zu der Vermutung, dass hier nur zum Schein unter angeblicher Beachtung des Vergaberechts ausgeschrieben wurde, tatsächlich das BMZ aber überhaupt nicht an einem Eingang möglichst vieler Vergleichsangebote interessiert ist, sondern hinter den Kulissen längst eine Auswahlentscheidung getroffen wurde.

Pitchblog hat deshalb dem BMZ Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben und nachgefragt. Die kann wie folgt zusammengefasst werden:

08.01.2015 – 1. Stellungnahme BMZ:
Das BMZ verteidigt die Fristen zunächst als angemessen sowie im Einklang mit dem Vergaberecht.

09.01.2015 – Fristverlängerung:
Als Reaktion auf die Recherche des Pitchblog ist die Angebotsfrist eine gute halbe Stunde vor Ablauf um 10 Tage bis zum 19.01.2015 verlängert worden. Diese Fristverlängerung ist begrüßenswert.

09.01.2015 – 2. Stellungnahme BMZ
Eine zweite Stellungnahme sowie die Verlängerung der Angebotsfrist werfen aber Folgefragen auf: So wird zwar die Angebotsfrist verlängert, nicht aber gleichzeitig auch die Umsetzungsfrist, die sich nunmehr sogar auf weniger als 10 Werktage verkürzt hat.

Obgleich gemäß der Ausschreibung die Vergabeordnung für freiberufliche Dienstleistungen (VOF) Rechtsgrundlage sein soll, erklärt das BMZ auf Nachfrage, dass dies doch nicht der Fall sei, da der für die Gesetzesanwendung erforderliche geschätzte Auftragswert nicht erreicht werde. Damit setzt sich das BMZ in einen unauflösbaren Widerspruch. Man lehne sich lediglich an „Modelle der VOF“ an, habe aber versäumt, dies hinreichend kenntlich zu machen, worauf man künftig achten werde. Problem: Das BMZ teilte den Ausschreibungsteilnehmern zwar mit, das die Angebotsfrist verlängert wurde, versäumt aber mitzuteilen, dass die kommunizierte Rechtsgrundlage nicht zur Anwendung gelange, sondern allenfalls auf „Modelle der VOF“ zurückgegriffen werde. Auch wird der geschätzte Auftragswert nicht mitgeteilt, sodass seitens der Ausschreibungsteilnehmer nicht nachprüfbar ist, ob eine Anwendbarkeit des VOF zwingend ist oder nicht. Schließlich bleibt unbeantwortet, weshalb das BMZ hinter den gesetzlichen Regelfristen für die Angebotsabgabe von 30 Tagen zurückbleibt, nachdem ein Fall besonderer Dringlichkeit nicht gegeben ist.

09.01.2015 – 3. Stellungnahme BMZ
Das BMZ teilt mit, dass es die weiteren Fragen des Pitchblog zum Anlass genommen hat, die Zentrale Vergabestelle des BMZ um Überprüfung des laufenden Vorgangs zu bitten.
Fazit: In dieser Ausschreibung steckt der Wurm, auch wenn der Versuch einer Korrektur unternommen wurde. Pitchblog empfiehlt daher: Neu ausschreiben!

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Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Gut reagiert!

Nach der Veröffentlichung einer Reihe von „Foul Pitches“ freuen wir uns, endlich einmal auf einen „Good Pitch“ hinweisen zu können. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ließ über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung eine Ausschreibung mit dem Titel „Kalender 2016 mit 365 Foto-Portraits“ bekanntmachen. Gegenstand der Ausschreibung war die Erstellung eines Tages-Tischkalenders für das Kalenderjahr 2016 in Form einer druckreifen PDF-Datei, inklusive der Gestaltung des Kalenderaufstellers sowie die Anfertigung von 380 Foto-Portraits. Die Angebotsfrist, innerhalb der ein Angebotskonzept sowie drei Arbeitsproben einzureichen waren, endete am 26.09.2014, der Zuschlag wurde am 31.10.2014 erteilt. An Umsetzungsreife mangelte es den Anforderungen insofern, als dass die Ausführungsfrist bereits am 30.11.2014, also nur einen Monat nach Zuschlag, enden sollte. Innerhalb von vier Wochen sollte also die Übergabe der finalen Rohdaten, die Anfertigung und Übergabe der 365 finalen Foto-Portraits sowie des druckreifen PDF-Kalenders erfolgen. Eine schier unlösbare Aufgabe, was auch die BZgA einsehen musste. Eine Vielzahl von Bietern teilte diese Auffassung und äußerte ihre Bedenken auf dem für die Ausschreibung eingerichteten Informationsportal. Die BZgA zeigte sich einsichtig und reagierte flexibel mit einer Änderung der Ausschreibung dahingehend, dass die Gesamtleistung soweit wie möglich im Jahr 2014 zu erbringen sei.

Forschungszentrum Jülich – Fragen über Fragen…die unbeantwortet bleiben.

Das Forschungszentrum Jülich war auf der Suche nach einer Agentur für die Konzeption, Organisation, Durchführung und Abwicklung seiner zentralen Veranstaltungen für einen Zeitraum von zwei Jahren. Zur Bewertung ihrer Leistungsfähigkeit sollten die Teilnehmer der Ausschreibung Konzeptvorschläge für verschiedene Veranstaltungstypen einreichen – wie so oft wurden hier nicht unerhebliche Kreativleistungen gefordert, für die kein Pitchhonorar vorgesehen war. Viel bemerkenswerter ist jedoch Folgendes: rund 60 % der von den Bietern im Rahmen der Ausschreibung eingereichten Fragen ließ das Forschungszentrum unbeantwortet, indem es lediglich erwiderte, es möchte „hier keine Eingrenzungen vornehmen“ bzw. „keine Angaben“ oder „Vorgaben“ machen. Dabei handelte es sich um inhaltlich durchaus relevante Fragen wie „Welche Inhalte/Botschaften sollen kommuniziert werden?“. Durch diese Nicht-Beantwortung versäumte es das Forschungszentrum Jülich nicht nur, die Einreichung einer möglichst hohen Vielzahl von Konzeptvorschlägen zu forcieren, insbesondere erschwerte es zum Nachteil der teilnehmenden Agenturen die Erstellung kundenorientierter Konzeptvorschläge, womit diese in einen offensichtlichen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem bisherigen Etathalter gelangten.

BIG direkt gesund – Ermittlungen dauern an

Im August berichtete Pitchblog über die unter dem Titel „Regionale Pressearbeit“ veröffentlichte Ausschreibung der BundesInnungskrankenkasse Gesundheit, kurz BIG direkt gesund.

Auffällig geworden war diese Ausschreibung aufgrund der formulierten Anforderungen, die unter anderem vorsahen, daß mindestens ein Referenzauftrag für eine gesetzliche Krankenkasse nachgewiesen werden müsse (Siehe Pitchblog-Beitrag vom 28. August 2014). Die GPRA sah sich aufgrund dieser Ausschreibung veranlasst, bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Bundesversicherungsamt, im Wege der Fachaufsichtsbeschwerde, die Ausschreibung überprüfen zu lassen.

Die Ermittlungen des Bundesversicherungsamtes dauern an. „Da der Sachverhalt aufgrund der umfangreichen Unterlagen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausermittelt ist, ist uns eine abschließende Stellungnahme in der Angelegenheit derzeit noch nicht möglich.“, teilte das Bundesversicherungsamt gegenüber den rechtlichen Vertretern der GPRA, der Berliner Anwaltskanzlei Irle Moser LLP, mit Schreiben vom 10. November 2014 mit. Pitchblog bleibt dran und berichtet, sobald es Neuigkeiten gibt.

ALBA Group – Ein Pitch für die Tonne! – Aktualisierung 14.11.2014

Die ALBA Group, Hauptsponsor und Namensgeber der Basketballmannschaft ALBA BERLIN, veröffentlichte am 23.04.2014 eine Ausschreibung mit dem Ziel, die Unternehmensmarke ALBA wieder deutlicher von der Basketballmarke abzuheben und zu zeigen, welches Unternehmen hinter dem Verein steht. Hierzu sollte ein neues Anzeigenmotiv zum Einsatz unter anderem in Print- oder Online-Medien entwickelt werden. Bewerber sollten drei bis fünf Ideen für Anzeigenmotive inklusive Bild und Text einreichen. Das Vorlegen von Referenzen war laut Ausschreibung keine Voraussetzung zur Teilnahme.

Dennoch bat die ALBA Group eine Berliner Agentur, die sie selbst ausgewählt und persönlich per E-Mail zur Teilnahme an der Ausschreibung aufgefordert hatte, um die Zusendung von Referenzkampagnen – und zwar erst nachdem diese ihr Angebot eingereicht hatte. Die Agentur verwies daraufhin auf ihre Referenzen und schlug darüber hinaus vor, bei einem persönlichen Gespräch weitere Arbeitsbeispiele vorzustellen. Auf diesen Vorschlag ging die ALBA Group jedoch nicht ein, es folgte lediglich eine Absage.

Pitchblog fragte bei der ALBA Group nach und wollte wissen, ob und an wen nach Abschluss des Ausschreibungsverfahrens ein Zuschlag erteilt wurde. Die ALBA Group hielt sich zunächst bedeckt. So kündigte Svea Kleeberg, Marketing Manager ALBA Group / Corporate, zwar an, gern Auskunft zu erteilen, wollte allerdings zunächst wissen, wie der Pitchblog denn auf die Ausschreibung aufmerksam geworden sei. Pitchblog legt seine Informationsquellen nicht offen und ist aus Gründen des Informantenschutzes hierzu auch rechtlich nicht verpflichtet. Kleeberg blieb Ihre in Aussicht gestellte Antwort bis zum Erscheinen dieses Blog-Beitrages schuldig. Sowohl die ebenfalls angeschriebene Pressesprecherin wie auch die Leiterin Kommunikation & Politik reagierten erst gar nicht. Erst nach Veröffentlichung dieses Beitrages sowie dessen Aufgreifen im Branchendienst „HORIZONT“ reagierte die ALBA Group durch Ihren Senior Legal Counsel Hendrik Reffken und fordert Pitchblog auf, den gesamten Beitrag in seiner Fassung vom 13.10.2014 zu löschen. Pitchblog wird dieser Aufforderung nicht nachkommen und ist hierzu auch nicht rechtlich verpflichtet. Nachdem die ALBA Group sich nun nach Erscheinen dieses Beitrags offensichtlich veranlasst sah, weitere Auskünfte zu erteilen, sollen diese nicht vorenthalten werden: Laut der ALBA Group sei eine Agentur beauftragt worden, die zuvor nicht für die ALBA Group tätig gewesen sein soll. Welche Agentur konkret beauftragt wurde, will die ALBA Group aber nicht mitteilen, so dass der Wahrheitsgehalt der Mitteilung für den Pitchblog nicht nachprüfbar ist. Dabei wäre es doch so einfach, durch Schaffung von Transparenz Klarheit und das nötige Vertrauen in eine regelgerechte Ausschreibung zu schaffen. Diese Chance hat die ALBA Group vertan.

Aktualisierung vom 14.11.2014

Zwischenzeitlich hat eine weitere Abstimmung mit der ALBA Group stattgefunden. Dabei ist uns belegt worden, dass eine Vergabe an eine Agentur erfolgt ist. Wir halten uns natürlich an die auf Wunsch der Agentur vereinbarte Vertraulichkeit und nennen keinen Namen, haben aber die Angaben überprüft.

Danach können wir bestätigen, dass eine Agentur mit der Durchführung des ausgeschriebenen Projektes durch die ALBA Group beauftragt worden ist.

 

bq – Medienkontakte frei Haus zum Nulltarif

Das in Spanien ansässige und international im Bereich Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von multimediafähigen Geräten und 3D-Druckern agierende Unternehmen bq schrieb im August dieses Jahres verschiedene deutsche PR-Agenturen im Hinblick auf eine mögliche Zusammenarbeit per E-Mail an. In dieser teilte bq mit, ihren Fokus in Zukunft auf die PR-Arbeit und die Zusammenarbeit mit Bloggern legen zu wollen. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass die ausgewählte Agentur in einem engen Kontakt zu den Medien stehe. Ein die Auswahlentscheidung positiv beeinflussendes Entscheidungskriterium sei daher die Übermittlung einer Übersicht über alle Fachzeitschriften, Publikumsmedien und Blogs, mit denen die jeweilige Agentur in engem Kontakt steht. Dass eine PR-Agentur über Medienkontakte verfügt, ist eine Selbstverständlichkeit und kann daher schwerlich ein geeignetes Auswahlkriterium sein. Daher kann man sich bei dieser Ausschreibung nicht des Eindrucks erwehren, hier werde versucht, an einen umfassenden Medienverteiler zu gelangen.

India Tourism Frankfurt: Zum Ersten, Zweiten, zum Dritten…

India Tourism Frankfurt, ein für die Vermarktung des Landes Indien zuständiges Büro des indischen Tourismusministeriums, rief am 28. August 2014 deutsche Agenturen mit starkem Hintergrund in Public Relations und Event Management sowie Erfahrung in der Zusammenarbeit mit nationalen Tourismus-Organisationen dazu auf, an seiner Ausschreibung teilzunehmen. Inhalt des zu erteilenden Auftrags ist die Koordination der PR während der Teilnahme an Reisemessen für Verbraucher in Deutschland und Österreich sowie an den Fachmessen ITB und IMEX im Zeitraum von Oktober 2014 bis Mai 2015. Außerdem soll die künftige Agentur die Social Media Präsenz von India Tourism auf Facebook und Twitter in den deutschsprachigen Ländern gestalten. Einzelheiten hierzu sind in der Ausschreibung ausführlich erläutert.

Auffällig an dieser Ausschreibung ist ihr Auktionscharakter: So ist entscheidendes Kriterium für den Zuschlag nicht etwa die Kreativleistung der Bewerber, die anhand eines vorgeschlagenen Kreativkonzeptes im Rahmen des Pitches skizziert wird, sondern die Bewertung sogenannter „technical bids“ und „financial bids“, also seitens der Agenturen abzugebender Gebote. In der technischen Bewertung können maximal 70 sogenannter „Marks“, gemeint sind wohl Punkte, für PR-Erfahrung im Bereich nationaler Tourismus, Erfahrung in der Erstellung von Social Media Kampagnen für Kunden aus dem Tourismusbereich, spezifische PR-Erfahrung in Bezug auf MICE-Veranstaltungen sowie die ITB erlangt werden. Wer 49 oder mehr „Marks“ erlangt, gelangt in die nächste Auktionsrunde, in der die sogenannten „financial bids“ bewertet werden, was den Auktionscharakter der Ausschreibung noch unterstreicht. Das finanzielle Gebot geht mit 30% in die Gesamtbewertung ein und soll einen detaillierten Kostenvoranschlag bezüglich künftiger PR- und Social-Media-Aktivitäten enthalten.

Diese Form der Entscheidungsfindung überzeugt nicht. So sind im Rahmen der „technical bids“ keinerlei konkrete Kreativkonzepte einzureichen, auf deren Grundlage maßgeblich die Zuschlagsentscheidung getroffen wird. Vielmehr wird lediglich, wie bei der zuletzt thematisierten Ausschreibung der BIG (siehe Blog-Beitrag vom 28.08.2014), maßgeblich auf Vorerfahrungen in einem bestimmten Bereich, hier in der Tourismusbranche, abgestellt. Dies verwundert insofern, als dass der Aufgabenbereich der Ausschreibung nicht zwingend Erfahrungen im Tourismusbereich erfordert. Vielmehr stehen hier neben der Vermarktung Indiens, beispielsweise durch Social Media, organisatorische und koordinatorische Aspekte im Vordergrund, die zum Basis-Know-How jeder PR-Agentur gehören.

Da keinerlei Konzeptvorschläge eingereicht werden sollen und die Anforderungen an die Agenturen lediglich allgemein beschrieben werden, fehlt eine Kalkulationsgrundlage für die Abgabe des finanziellen Gebotes. Im Ergebnis entscheiden damit allein Vorerfahrungen, die als Qualifikationskriterium irrelevant sind, sowie der günstigste Preis, der ohne Kenntnis der konkreten Maßnahmen schwerlich zu kalkulieren ist.

Fazit: Eine Auktion eignet sich nicht zur Auswahl der für die eigenen Zwecke kreativsten und wirtschaftlichsten Agentur. Für Agenturen ist die Teilnahme an einer solchen Ausschreibung unattraktiv, da sie nicht durch Kreativkompetenz überzeugen können.

Alles andere als gesund! Öffentliche Ausschreibung der BundesInnungskrankenkasse Gesundheit (BIG) diskriminiert Agenturen.

Unter dem Titel „Regionale Pressearbeit“ veröffentlichte die gesetzliche BundesInnungskrankenkasse Gesundheit, kurz BIG direkt gesund, eine Ausschreibung, deren Gegenstand Dienstleistungen im Bereich der regionalen Presse- und Public-Relations-Arbeit waren. Eine nähere Beschreibung zu Art und Umfang der zu vergebenden Leistungen ergab sich aus weiteren Anlagen, die nur solchen Agenturen übermittelt wurden, die sich vorher in einem Online-Portal registrierten.

Grund zur Beanstandung gibt diese Ausschreibung hinsichtlich der formulierten subjektiven Eignungskriterien, die von teilnehmenden Agenturen zu erfüllen waren: So sollten drei Referenzaufträge aus den Jahren 2012 bzw. 2013 über die Erbringung von Leistungen, die mit dem Auftragsgegenstand vergleichbar sind, angegeben werden. Dies ist durchaus üblich und grundsätzlich auch zulässig. Die Grenzen des Zulässigen überschritt die BIG allerdings mit der weiteren Anforderung, dass mindestens ein Referenzauftrag für eine gesetzliche Krankenkasse nachgewiesen werden musste. Dieses Auswahlkriterium wurde nicht erläutert und es ist auch nicht selbsterklärend. Auch erschließt sich nicht, weshalb auch solche Agenturen nicht zugelassen werden sollen, die zwar keine gesetzliche Krankenkasse, aber vielleicht schon mal eine private Krankenversicherung beraten haben. Warum grenzt die BIG hier derart scharf ab? Wozu dieses Kriterium führt ist eine erhebliche Reduzierung der für die Teilnahme an der Ausschreibung qualifizierter Agenturen auf einen kleinen Kreis von Teilnehmern. Wahrscheinlich – vielleicht sogar gewollt – wird die Beauftragung einer Agentur, die bereits zuvor für die BIG tätig war. Sachfremd ist das von der BIG aufgestellte Kriterium insofern, als dass es zum Alltag jeder Kommunikationsagentur gehört, sich in neue Themenkomplexe einzuarbeiten und entsprechend den speziellen Anforderungen des jeweiligen Kunden Kommunikationskonzepte zu entwickeln. Die BIG begibt sich mit diesem Kriterium nicht nur der Chance, neue und unverbrauchte Kreativkonzepte in Betracht zu ziehen, sondern führt durch die Ausschreibungsbedingungen das Prinzip der „öffentlichen“ Ausschreibung ad absurdum. Die umfassende Mehrheit derjenigen Agenturen, die noch nie eine gesetzliche Krankenkasse beraten haben, wird ohne sachlich gerechtfertigten Grund diskriminiert und der Kreis von bevorzugten Agenturen mit Erfahrung in der Beratung von gesetzlichen Krankenversicherungen perpetuiert.

Dieser Fall hat die GPRA, vertreten durch die Rechtsanwälte IRLE MOSER LLP, dazu veranlasst, mit dem Aufsichtsrat der BIG in Kontakt zu treten, allerdings ohne Ergebnis. Die GPRA wird die Ausschreibung nunmehr im Wege der Fachaufsichtsbeschwerde von der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Bundesversicherungsamt, überprüfen lassen. – Fortsetzung folgt.

Dresden Marketing GmbH – Ein Foul Pitch Klassiker

Die Dresden Marketing GmbH, zuständig für die Vermarktung der Stadt Dresden als Wirtschafts-, Wissenschafts-, Kongress- sowie Tourismusstandort, hat für die Jahre 2015 und 2016 (mit Option für das Jahr 2017) einen für Kommunikationsagenturen eigentlich sehr interessanten Auftrag ausgeschrieben. Gegenstand des Auftrages ist die Entwicklung einer kompletten Kampagne für das Stadtmarketing der Stadt Dresden. Es winkt eine fixe Beauftragung für zwei Jahre und sogar eine Option für ein drittes Jahr. Jede Agentur freut sich über einen solchen Auftrag. Die in der Ausschreibung geforderten Selbstauskünfte sind zwar umfangreich, aber zulässig.

Bei genauer Betrachtung der Ausschreibungsbedingungen schwindet jedoch jede Begeisterung: Bereits in der ersten Ausschreibungsrunde, in der die Zahl der Agenturen offenbar nicht begrenzt war, sollte die visuelle Umsetzung des Jahresthemas 2015 der Stadt Dresden in einem Kampagnenvorschlag umgesetzt werden, inklusive Key-Visual für diverse Werbeträger und Slogan. Kurzum: der wesentliche Teil der ausgeschrieben Kreativleistung war bereits in der ersten Ausschreibungsrunde zu erbringen. Pitchhonorar und Schutz der Kreativleistung? Fehlanzeige!

Leider sind solche Pitchbedingungen ein Klassiker im negativen Sinne:  Pflicht zur Einreichung eines umfassenden Kampagnen-Konzeptes ohne Vergütung und ohne dass durch eine begrenzte Teilnehmerzahl die Erfolgsaussichten auf Zuschlag zumindest kalkulierbar wären. Die Dresden Marketing GmbH bekommt auf diese Weise ein fettes Bündel ausgearbeiteter Konzepte zum Nulltarif, während der Großteil teilnehmender Agenturen leer ausgeht.

Telefónica Global Services GmbH – Telefónica will es genau wissen

Im Januar 2014 trat der Telekommunikationsriese Telefónica Global Services GmbH an ausgesuchte Agenturen bezüglich einer Ausschreibung für das „Social Media Community Management“ heran und bat diese, eine Vertraulichkeitsvereinbarung sowie eine Firmenselbstauskunft abzugeben. Konkrete Informationen zum konkreten Gegenstand der Ausschreibung und dem Umfang des Auftrages wurden hingegegn nicht erteilt. Wer sich nicht bereit erklärte, binnen anderthalb Werktagen die Erklärungen abzugeben, wurde nicht zum Pitch zugelassen.

Nun kann man durchaus der Ansicht sein, dass einem Unternehmen zugestanden werden muss, sein Kerngeschäft und die damit zusammenhängenden Geschäftsgeheimnisse ausreichend zu schützen. An dem vorgelegten Non-Disclosure Agreement (kurz „NDA“) ist daher auch per se nichts auszusetzen. Allerdings gilt die konkrete Vereinbarung für drei Jahre. Zu beanstanden ist jedoch die Unausgewogenheit der Rechte und Pflichten. Während sich die Agenturen zum Stillschweigen verpflichten, um überhaupt zu erfahren, worum es geht und was von Ihnen erwartet wird, erhält Telefónica in erheblichem Umfang Informationen über die Agenturen, ohne diesen in gleicher Weise für die Vertraulichkeit einzustehen. Es ist weiterhin fraglich, ob und inwieweit die angeforderten Informationen für den Pitch erforderlich sein können. So sollen die Agenturen beispielsweise offenlegen, mit welchen Wettbewerbern von Telefónica Kontakte oder sogar Exklusivverträge bestehen. Weiterhin werden Top-Zulieferer der Agenturen abgefragt.

Die Erforderlichkeit solcher Informationen erschließt sich nicht in vollem Umfang. Damit die Ausschreibung gar nicht erst in den Verdacht gerät, als Instrument der Ausforschung missbraucht zu werden, bedarf es zwingend eines Gleichgewichts beim Umgang mit Geschäftsgeheimnissen.